Durch
unsere langjährige Arbeit als Institut für konstruktive Konfliktaustragung
und Mediation (ikm) an Hamburger Schulen mit den Schwerpunkten in Schulentwicklung,
Gewaltprävention, Zivilcourage und Demokratieentwicklung, haben wir
einen starken Bedarf für die Förderung der demokratischen Strukturen
an Schulen festgestellt. Um einen Teil dazu beizutragen, haben wir ein
Konzept für die Qualifizierung der Schülervertretung entwickelt, welches
2006 durch das Bundesprojekt entimon unterstützt wurde. Das Programm
entimon ist Teil des Aktionsprogramms der Bundesregierung "Jugend für
Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit
und Antisemitismus" und hat uns die Qualifizierung der Schülervertretung
an sechs Hamburger Schulen, sowie die Herstellung und Verbreitung dieser
Broschüre ermöglicht. Es ist unser Anliegen, demokratische Strukt
uren
und demokratisches Leben an Schulen zu verbreiten und zu stärken. Diese
Broschüre richtet sich daher an all diejenigen, welche die Qualifizierung
der Schülervertretung an ihrer Schule einführen möchten; also Lehrkräfte,
Schulleitungen, SchulsprecherInnen und Eltern. Es soll einen lebendigen
Einblick in Hintergrund und Ausführung der Qualifizierung geben und
dazu einladen, das Konzept an ihrer Schule einzuführen. Die vorliegende
Broschüre ist zweigeteilt in einen Hintergrund- und einen Praxis-Teil.
Angefangen mit dem Hintergrund, ermöglicht der erste Artikel einen Rückblick
auf die Entstehungsgeschichte von demokratischen Strukturen und Mitbestimmung
an deutschen Schulen und zeigt verschiedene Formen der heutigen Schülerpartizipation.
Dann werden die Hamburger Strukturen des BLK-Projekts "Demokratie leben
und lernen" vorgestellt, gefolgt von einer kritischen Auseinandersetzung
mit den Realitäten von Schülermitbestimmung. Danach werden die Voraussetzungen
an Schulen vorgestellt die notwendig sind, um nachhaltig die demokratischen
Strukturen zu verbessern. Den Abschluss des Hintergrund-Teils bildet
ein Artikel zur notwendigen Öffentlichkeitsarbeit, um die Etablierung
des Konzepts zu unterstützen. Der Praxis-Teil beschreibt in erster Line
Konzept und Inhalt der vier Praxisbausteine der Qualifizierung der Schülervertretung,
nämlich ein 3-Tages Training des ikm in Moderations- und Präsentationstechniken,
Meinungsbildung und Projektplanung, sowie die Unterstützung der Aufgaben
der KlassensprecherInnen im Klassenrat und bei der Konfliktmoderation
in Gruppen. Der zweite Baustein wird von dem Projekt "SchülerInnen -
Schule - Mitbestimmung" (SSM) der SchülerInnenkammer Hamburg zu den
Rechten, Pflichten und Strafmaßnahmen in der Schule durchgeführt. Die
dritten und vierten Bausteine dienen der Nachhaltigkeit mit einem Verstärker-Seminar
und einem Brückentag. Nach der Darstellung des Trainingszyklus folgen
Erfahrungsberichte von Lehrkräften und SchülerInnen, die Tipps für andere
Schulen haben, um das Programm erfolgreich zu etablieren. Zum Schluss
finden Sie einen Materialanhang, der Einiges aus dem Praxisteil visualisiert,
sowie ein Literaturverzeichnis mit Empfehlungen. Wenn die Schule demokratische
Lebensformen realisieren und dazu beitragen soll, demokratische Gesellschaftsformen
herbeizuführen, muss sie selbst eine dieser Norm entsprechende Praxis
kultivieren: Anerkennung gewähren, selbstwirksames Handeln fördern,
Gerechtigkeit und Fairness als Maximen des schulischen Lebens achten.
Nur wer selbst Anerkennung und Gleichberechtigung erfahren hat, wird
eine demokratische Haltung entwickeln. Wir hoffen unserem Anspruch gerecht
zu werden und Ihnen eine informationsreiche und einladende Broschüre
bieten zu können.
Herausgeber:
ikm, Hamburg 2007