Praxislabor Mediation – Ein systemischer Blick auf Konflikte mit Hilfe des Glaubenspolaritäten-Schemas (GPA)
Konflikte sind selten selbst das Problem, oft stehen sie als Symptom für etwas anderes. Systemisch betrachtet „ernähren" sich Konflikte aus der Art, wie wir denken, fühlen, was wir wollen, und aus der Vielfalt der Rollen, die Menschen in einem System einnehmen.
Ein Konflikt kann ein System stabilisieren, eine verdrängte Wahrheit sichtbar machen, oder eine notwendige Spannung markieren, die noch keinen Raum gefunden hat.
Genau hier setzt das Glaubenspolaritäten-Schema (GPA) nach SySt (Sparrer/Varga von Kibéd) an.
Die Grundannahme: Viele unserer Überzeugungen und Werte existieren nicht isoliert, sondern als Pole einer Polarität – zum Beispiel Nähe und Distanz, Struktur und Freiheit, Fürsorge und Autonomie. Konflikte entstehen also häufig nicht, weil eine Seite „falsch" liegt, sondern weil jede Partei sich mit einem Pol identifiziert und den Gegenpol als Bedrohung erlebt, statt ihn als notwendige Ergänzung zu verstehen. Dabei sind Spannungen der notwendige Motor für Veränderung!
Welche Qualitäten, die im aktuellen Konfliktgeschehen vielleicht vergessen sind, tragen wir bereits in uns, um neue und bislang unerkannte Lösungen herbeizuführen?
Im Raum aufgestellt – als Pole räumlich verortet, von den Teilnehmenden körperlich begangen – wird diese Dynamik unmittelbar erfahrbar:
Wie fühlt sich der eigene Pol an? Was passiert, wenn ich mich dem Gegenpol nähere? Welche Spannung entsteht zwischen den Polen, und wofür könnte sie gut sein? Gibt es vielleicht schon jemand im Spannungsfeld, der zwischen den Polen steht und als Mittler dienen kann? Welches sind Qualitäten, an die wir noch erkunden können und wofür?
Für die Mediation heißt das:
Der Blick weitet sich weg von „Wer hat recht?" hin zu „Welche Polarität steht hier eigentlich zur Verhandlung, und wie lässt sie sich balancieren – und schließlich über das Hinzufügen neuer Qualitäten vielleicht ganz auflösen?" Die innere Wende – das Würdigen des Problems bei gleichzeitiger Lösungsfokussierung – wird damit konkret erlebbar!
Termin: 5. November 2026 von 15 bis 19 Uhr im ikm Hamburg (TN max. 16)
Referent*innen: Kristin Heldewig und Nikolaus Roloff
Teilnehmerbeitrag auf Spendenbasis